{"id":51,"date":"2009-12-30T14:19:53","date_gmt":"2009-12-30T14:19:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/?page_id=51"},"modified":"2009-12-30T14:29:48","modified_gmt":"2009-12-30T14:29:48","slug":"pressetext-glucksmaschinen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/?page_id=51","title":{"rendered":"Pressetext &#8222;Gl\u00fccksmaschinen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Vor drei Monaten in der K\u00fcche einer Hamburger Galerie von einer jungen Dame das neue Fehlfarben-Album in die Hand gedr\u00fcckt bekommen, frisch gebrannt, quasi zum Geburtstag \u2013 alles streng geheim. \u201eNur Hits, super zum Tanzen\u201c, sagte die Dame, deren Eltern noch minderj\u00e4hrig waren, als Fehlfarben eine der wichtigsten Platten der deutschen Popgeschichte ver\u00f6ffentlichten: \u201eMonarchie und Alltag\u201c, 1980. Warum diese Geschichte? Weil: junge Dame, neue Fehlfarben, Hits, Tanzen \u2013 h\u00e4? Gro\u00dfe Verehrung f\u00fcr Peter Hein, klar, aber das letzte Album seiner Band, das zweite nach dem Comeback von 2002, war mit der Plattenfirma V2 in der Versenkung verschwunden, und das war kein Drama. Dann aber: \u201eGl\u00fccksmaschinen\u201c. Und sofort und seitdem immer wieder beim H\u00f6ren: Gl\u00fccksgef\u00fchle.<\/p>\n<p>Man w\u00fcnscht den Leuten, die diese acht neuen Lieder h\u00f6ren, dass sie keine Ahnung von den Fehlfarben haben, weil der Geschichtsballast ja oftmals auch den Blick verstellt, und die neuen Lieder so gut und jetzig sind, dass der Vergangenheitsquark nur nervt. Zuerst mal: die Musik. Wahnsinnig knackig, druckvoll, total entschlackt und voller Haken und \u00d6sen, an denen man noch nach dem hundertsten H\u00f6ren h\u00e4ngen bleibt. Wenn die Menschen noch Singles kaufen w\u00fcrden, m\u00fcsste man diese Platte scheibchenweise ver\u00f6ffentlichen. Daran ist der Berliner Produzent Moses Schneider (Tocotronic, Kante, Beatsteaks) sicher nicht ganz unschuldig. Der hat die Herrschaften in sein Studio gestellt und machen lassen und auf Aufnahme gedr\u00fcckt. Also nix mit Overdubs, und jetzt spielen wir mal den Bass ein, und dann kleben wir da noch das drauf, sondern einfach: ran an die Buletten. Das war genau das richtige. Zumindest klangen Fehlfarben seit \u2013 jetzt doch wieder Geschichte \u2013 \u201eMonarchie und Alltag\u201c nicht mehr so frisch und bei sich wie eben jetzt.<\/p>\n<p>Ja und dann die Texte. Das ist so ein Thema. Peter Hein ist ja schon immer einer der besten Texter des Landes gewesen, da muss man nur mal Jene fragen, die selber versuchen Texte zu schreiben. Jeder, der heutzutage auf Deutsch singt, hat von Peter Hein gelernt, ob er will oder nicht. Weil der Herr Hein hat n\u00e4mlich schon immer derart \u00fcber alles Wichtige gesungen, dass es jeder verstehen konnte, und zwischen den Zeilen war das nicht Gesagte trotzdem da. Und das alles ohne Reime. Und ohne jetzt in Superlative zu verfallen, da kriegt der Hein n\u00e4mlich gleich einen Hals. \u00dcberhaupt sollte man ihn nicht auf seine Texte ansprechen, sonst wird er maulig. Bei aller Zur\u00fcckhaltung also: War der je besser als jetzt?<br \/>\nIm Titelsong \u201eGl\u00fccksmaschinen\u201c wird mal eben das Lebensgef\u00fchl einer Elterngeneration auf den Punkt gebracht, die mit dem Verlust ihrer jugendlichen Ideale klar kommen muss: \u201eWir leben, wir sind Gl\u00fccksmaschinen \/ Wir sind noch l\u00e4ngst nicht ausgeschieden&#8230; Und wird das Grau auch mehr \/ Wir brauchen keinen Neubeginn.\u201c Die \u201eStadt der 1000 Tr\u00e4nen\u201c ist Wut auf die Verlogenheit in, na, wahrscheinlich Allem: \u201eSie haben sich sinnlos vermehrt \/ Weltenretter kochen Einheitsbrei \u2013 ein Weltevent \/ Die Weihnachtsindustrie in der Hand von Buddhisten \/ Am falschen Tag feiern besoffene Islamisten.\u201c Aber bei all dem: keine Verbitterung! Nur Zorn und Erkennen und ein bisschen Fatalismus. Richtig witzig wird\u2019s, wenn der Hein \u00fcber das Leben in der Welt des Web 2.0 singt: \u201eMan fragt sich doch, wo die Leute sind \/ Dass man nie jemand trifft, hat man nicht vorgesimst \/ Man wusste doch nie, ob man wirklich Freunde hat \/ Erst der Freundez\u00e4hler hat&#8217;s an den Tag gebracht.\u201c Und so geht das weiter. Alles vorgetragen mit dieser klaren, dr\u00e4ngenden Stimme, und darunter die Musik, die schiebt und schiebt. Das hat eine angenehme Wirkung auf den H\u00f6rer, ungef\u00e4hr so, wie wenn einem jemand eine Ladung Adrenalin ins Hirn rammt. Nebenbei fallen etliche T-Shirt-Slogans ab, eine Auswahl:<br \/>\n\u201eWahnsinn, Wahnsinn, alles ist gut\u201c<br \/>\n\u201eWir haben Angst, aber leider keine Zeit daf\u00fcr\u201c<br \/>\n\u201eEiscreme \u2013 Sonnen\u00f6l \/ Leiden wird wieder sch\u00f6n\u201c<br \/>\nUnd dann, zum Ende hin, als alles gesagt zu sein scheint, jammt die Band sch\u00f6n druckvoll weiter, als h\u00e4tte sie zu viel Schwung um einfach aufzuh\u00f6ren, und pl\u00f6tzlich, w\u00e4hrend man so mitwippt oder rumtanzt, kriegt Peter Hein den wohl tollsten Wutanfall der Musikgeschichte. Und alles geht von vorne los. So viel Kraft und Klarheit, wie sie Fehlfarben im Jahr 2010 haben, w\u00fcnscht man jeder jungen Band. Und dass die D\u00fcsseldorfer  drei\u00dfig Jahre nach \u201eMonarchie und Alltag\u201c so ein Meisterwerk aus dem \u00c4rmel sch\u00fctteln, ist die sch\u00f6nste \u00dcberraschung seit, ach, keine Ahnung.<br \/>\n<em>Tino Hanekamp<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor drei Monaten in der K\u00fcche einer Hamburger Galerie von einer jungen Dame das neue Fehlfarben-Album in die Hand gedr\u00fcckt bekommen, frisch gebrannt, quasi zum&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/51"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/51\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":56,"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/51\/revisions\/56"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.atatak.com\/fehlfarben_wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}