Anything, that doesn't move...
....heisst das Debüt-Album von Swimmingpool. Der Dualismus des Titels ist treffend und wohlbedacht. Zum Einen, weil das Album eine Ruhe ausstrahlt, die hektischen Gemütern die Röte ins Gesicht treiben muss. Musik, die ständig Grenzen einreisst, dabei aber nie verkopft avantgardistisch wirkt, sondern eine natürliche Ruhe in sich birgt, die an Tai-Chi Kämpfe der beiden Produzenzen erinnert. Zum Anderen, weil Ein Swimmingpool-Track kann in dieser dieser Ruhe richtig abgehent:, gleichzeitig, stolz, einzigartig! Swimmingpool Sie wissen , dass es sich zwischen den Stühlen schlecht sitzen lässt, deswegen bauen sie sich einfach ihren eigenen Stuhl! Oder möchte jemand behaupten, etwas zu kennen, was genauso klingt wie diese Musik?
Die Platte beginnt mit Direct Drive Ninety Five, ein glockiges Klimpern und ein schräger Rave-Ochsenfrosch leiten ein für eine wunderschöne E-Piano Harrmonien, die den Teppich bildetn für Beat und Bass, obendrauf noch ein schlängelndes Kontrabässchen und fertig ist die Ouvertüre in 95 bpm. Nach circa einer Minute3:35 hat sich die ganze Welt des Swimmingpool-Sounds schon vor uns ausgebreitet, überrascht uns aber in jedem Stück aufs Neue. Man kann das getrost sagen, weil das Duo Scheibenreiter/ Antonelli nicht viel Zutaten braucht, um seine Tracks – oder sind es Songs? – zu glasklaren Geschichten zu bauen. Jeder Song eine eigene Story. Fast zum Anfassen.
Nach Direct Drive Ninety Five, zieht Eddy das Tempo an, pumpt den Club ganz langsam voll mit seinem satten Boogie-Vibe, den Diver Part 2 krautig und hymnenhaft in einen wieder anderen Flavour erdet. Grosse tiefe Erde hier, alt und neu! Reprise gelingt eine folky Dub-Reggae-Einlage, als würde SMPL gesattelt durch das Wasser waten. Das Display zeigt 4 und ein Bündel Hits liegt schon hinter uns da öffnet Living Near The Violent River die Platte, als würde sie gerade erst anfangen! 1000 Meter tief sinkt der Track und zündet ein leuchtend-orange-rotes Rave-Feuer als Signal für O-Ton Left, „in dem subsonische Kraftfelder mit Technohousegeklicker herumplanschen und damit jeden Club in eine so noch nie gehörte Farbe tauchen.“ [Tobias Thomas/ SPEX]. Beim Auftauchen verhallen die letzten Signal-Töne, da übernimmt You Are (Everything), um eine weitere Seite von Swimmingpool zu offenbaren: offensiv aufhellend, gebreakt und treibend. Perhaps von der ersten Traffic-Compilation und Atomizer erweitern das Spektrum um weitere Nuancen. Perhaps mit Frühlingsmelodie und 2-Step-Beat und Atomizer als heimlicher Hit von der Core 002 mit den dicksten, sich wie Wolle um die Beats legenden Bässen, die ein so schlanker Track überhaupt aushalten kann: POP 2002, wie wir es verstehen und kein Konsens-Retro! Zum Schluss Bypassed mit der konkretesten Dub-House-Idee, die bleed in der de:bug wie folgt umschreibt: "Bypassed mischt ... verknuffelte Dubeffekte mit den Schnittmengen-Sounds von Pole and The Wailers und rockt mit der Bassdrum in der Hand durchs watig unbebongte Land der Clubhits.“
Swimmingpool sitzen knietief baden im Dub. Das ist die Essenz, der Raum, in der sich die Musik bewegtentfalten kann. Jeder Track geht mit dem Raum anders um, er ist aber ein ständiger Begleiter, man stelle sich einfach vor die Platte unter Wasser zu hören und dennoch die Möglichkeit zum Tanzen zu haben. In einer Zeit in der gerade die Basic Channel Dub-Plagiate nerven, weil mittelmässiges mit Effekten übertüncht wird, kommen Swimmingpool und legen einen RaumDub-Entwurf hin, der mit Dub brummeligen Bässen, Streichern, E-Pianos, kleinen Breaks, aber und gerader Bassdrum, einen völlig neuen eigenen Sound anbietet. So eigenständig, dass man schon bald von einem Klassiker sprechen wird! Da lehnen wir uns aus dem Fenster, aber fallen nicht heraus.
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